Hilfe, Pubertät…was tun?

Alles ist wunderbar, Sie sind rundum zufrieden mit Ihrem Hund, er hat sich toll entwickelt. Sie waren in der Welpenschule, gehen regelmäßig zum Hundetraining und üben auch täglich. Stubenreinheit, eine gewisse Zeit alleine bleiben, auf Zuruf kommen, an Hunden vorbei gehen, nicht an der Leine ziehen, bleiben…im Groß klappt es besser als Sie je zu hoffen wagten…

…bis zum Tag X. Mit einem Mal ist Ihr Vierbeiner plötzlich absolut taub, er kennt kein Signal mehr, reagiert nicht…all die Arbeit der letzten Monate scheint von Jetzt auf Gleich vergebens. Vermutlich ist Ihr Hund jetzt so zwischen 9 und 13 Monaten (wobei es durchaus insbesondere bei den sehr großen Rassen Spätentwickler gibt!). Herzlich Willkommen in der Pubertät 🙂

Zuallerst: Bleiben Sie ganz ruhig, es ist selten so dramatisch wie es scheint und es ist völlig normal.

Die Pubertät gehört zur Entwicklung, genau wie bei uns Menschen. Hunde entdecken ebenfalls ihr Geschlecht und natürlich das andere Geschlecht, sie werden selbst geschlechtsreif und schließlich auch erwachsen. Und erwachsen werden ist nunmal nicht so leicht, das wissen wir doch alle. Dabei muss man Eines immer im Kopf behalten: Es ist für den jungen Hund (ebenso wie für junge Menschen) auch nicht leicht.                                    Er macht es uns nicht in irgendeiner Weise absichtlich schwer, es ist einfach ein wenig schwierig, weil das junge Tier mit sich selbst zu kämpfen hat. Diesen Umstand sollten alle Hundebesitzer unbedingt berücksichtigen.

Doch wie dem Wahnsinn begegnen? Einfach abwarten und hoffen, dass es vorbeigeht ist keine Option, schließlich braucht der Junghund gerade jetzt auch Sicherheit, Feedback und Verständnis. Jetzt lernt er sich selbst kennen, prägt seine Persönlichkeit/seinen Charakter noch weiter aus und sucht seinen Platz im Leben.

Und Sie, als sein menschlicher Begleiter durch eine menschliche Welt, sind dabei seine wichtigste Stütze. Sie zeigen ihm den Weg, auch wenn es manchmal schwierig ist, Sie sind sozusagen der Wegweiser.

Ganz konkret bedeutet das: lassen Sie nicht nach. Bleiben Sie ganz geduldig und konsequent. Halten Sie an Ihren Regeln fest, aber gehen Sie nötigenfalls einige Schritte zurück in der Art und Weise der Einforderung. Verlangen Sie weniger, passen Sie die Anfoderungen auch an die Tagesform an. Typischerweise gibt es solche und solche Tage, an manchen ist es Durchzug pur, man könnte genau so gut versuchen einen Einkaufswagen zu trainieren, an anderen Tagen läuft es wie am Schnürchen.
Geraten Sie auf keinen Fall auf eine „aber ich weiß genau, dass er/sie das kann!!!“ Schiene! Es hilft Ihnen nicht weiter Ihren Pubi-Hund jetzt anzublöken und mit allem Mitteln etwas herbeizwingen zu wollen, was offenkundig eben gerade nicht so gut klappt. Sicher, es kann unglaublich frustrierend sein, wenn plötzlich nichts mehr klappt, keine Frage. Aber hier haben Sie auch Gelegenheit Ihre Führungsqualitäten zu prüfen -und zu verbessern. Sie gestalten die Beziehung und das Zusammenleben mit Ihrem vierbeinigen Freund. Und es hilft weder dem Hund noch Ihnen oder Ihrer Beziehung zum Hund, wenn Sie ihn in dieser Phase zusätzlich verunsichern und zusammenstauchen.

Oft ist der Grat zwischen Verständnis und Konsequenz schmal…wann muss man sich  wirklich durchsetzen und wann kann man sich auch mit weniger zufrieden geben? Ich empfehle immer, einige wenige Grundregeln von Anfang an aufstellen, nicht mehr als eine handvoll, das reicht absolut. Das sind die wichtigsten und unumstößlichen Dinge. Alles andere kann immer mal variieren, je nachdem wie es läuft und was gerade so anliegt kann sich da einiges bewegen. Konsequenz ist vor allem bei diesen Grundregeln gefragt (z.B. nicht anspringen; nicht in Hände/Füße/Leine schnappen; nicht betteln; kein „aus der Tür stürmen wie ein Sprinter“; solche Sachen) und die müssen umsetzbar sein auch wenns mal nicht so gut läuft mit dem hören.

Ansonsten gilt es gröbere Probleme von vornherein zu vermeiden, z.B.“ ist nicht mehr abrufbar und haut ab“ mithilfe der Schleppleine. Und weiterüben. Gegebenfalls eben „Anfängerübungen“ wiederholen von denen man dachte, man wäre schon drüber hinaus. Hier zählt dranbleiben zunächst einmal mehr als der Schwierigkeitsgrad.

Besonderer Wert ist hier auf die Motivation zu legen. Das betrifft vor allem Sie als Hundehalter. Immer wieder müssen Sie die freudige Motivation mitbringen, sich etwas einfallen lassen, den möglichen Frust einfach beseite schieben. Sie gestalten, vergessen Sie das nicht. Wenn Sie mißlaunig, maulig und genervt sind, wird Ihr Hund sich erwartbar „schlechter“ zeigen…Entsprechend ist es sehr hilfreich, wenn Sie es schaffen mit Freude und Liebe zu Werke zu gehen. Wichtiger, als das perfekte Funktionieren  einzelner Aufgaben, ist es nun an der Beziehung zu arbeiten, trotz allen akuten Schwierigkeiten die Stimmung hochhalten und mit dem Hund gehen, nicht gegen ihn.

Erfolgreiches Training hängt nicht davon ab, möglichst oft durchzusetzen was man will, sondern zu erkennen was man wollen/verlangen kann, dann klappt es auch.

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Über wohlstandskoeter

Hundetrainerin, Tierarzthelferin, Hundephysiotherapeutin "Neun von zehn Stimmen in meinem Kopf sagen, ich bin nicht verrückt, die Zehnte bellt einfach nur..."
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