Hundemantel, ja oder nein?

Die Meinungen zu Hundemänteln und Jacken sind kontrovers.

Um Eines gleich vorweg zu sagen: Ich finde es unsäglich wenn man (häufig kleine) Hunde aus irgendwelchen Modetrends heraus in Hundebekleidung steckt! Ein Hund ist ein Lebewesen und kein Accessoire.

Allerdings gibt es gute Gründe einem Hund im Winter/bei nasskaltem Wetter eine Jacke DSCN1510oder einen Mantel anzuziehen. Viele Hunde haben ein kurzes Fell und nur wenig oder keine Unterwolle, dazu zählen durchaus auch große Rassen wie z.B.: Dogge, Rottweiler, Dobermann, Boxer…also Rassen die man jetzt nicht unbedingt sofort mit einer Jacke/ einem Mantel verbindet. Doch sie frieren jetzt im Winter genauso wie kleinere Artgenossen. Manche wollen auch bei Kälte und Regen am liebsten nur schnell für die nötigen Geschäfte raus, andere setzen oder oder legen sich nur höchst ungern auf den kalten Boden.
Eine Jacke oder ein Mantel kann hier für höheres Wohlbefinden und auch einen besseren Schutz vor Erkältungen, Blasenentzündungen, späteren Gelenks/Knochenproblemen u.ä. sorgen.

Weiters sollten akut und chronisch kranke Hunde, Hunde in Reha und Senioren vor den Wettereinflüssen geschützt werden- auch wenn sie ein dichteres Fellkleid haben. Ganz besonders Hunde mit Problemen am Bewegungsapparat, sprich Knochen- Gelenk- Sehnenprobleme, Arthrosen, schlecht verheilten oder frischen Knochenbrüchen usw. Solche Hunde sollten unbedingt eine Jacke/Mantel tragen! Arthrosen, HD, ED, Spondylosen und daraus resultierenden Muskelverspannungen können zusätzlich oft durch Wärme gelindert werden, z.B. mithilfe einer Infrarotlampe, oder auch einem Körnerkissen o.ä. wenn man das zuhause hat. Kälte und ganz besonders feuchte Kälte ist Gift für diese Erkrankungen und führt zu großen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Aber auch kerngesunde, fitte und gut behaarte Sporthunde können einen Bedarf haben, z.B. wenn zwischen einzelnen Trainingsdurchgängen oder Prüfungsdisziplinen Pausen entstehen in denen der Hund immer wieder auskühlt, er eventuell zwischendurch in einer Außenbox warten muss usw. Leider hat es sich immer noch nicht ganz herumgesprochen, dass gutes Aufwärmen und warm bleiben für vierbeinige Sportler genauso wichtig ist wie für Zweibeiner. Das betrifft im besonderen die Disziplinen Agility, Turnierhundesport, Flyball  und auch Vielseitigkeitssport (früher: Schutzhundesport) mit seinen drei Disziplinen. Hier ist das warmhalten mit einem guten Mantel/Jacke reine Verletzungs- Gesundheitsprävention. Das Verletzungsrisiko steigt wenn der Hund „kalt“ ist, auch langfristige Schäden die man erst über Jahre sieht können hier entstehen. Hundesportler sollten das zum Wohle des Hundes berücksichtigen.

Erfreulicherweise empfehlen auch immer mehr Tierärzte, Tierphysios und Trainer in entsprechenden Fällen die sinnvolle und zweckmäßige Nutzung von Hundebekleidung. Gleichzeitig hat sich auch das Angebot verändert, es gibt inzwischen wirklich gute, passende und unauffällige Mäntel und Jacken in allen Größen. Auch die Materialien und Passformen haben sich verbessert, es gibt Kleidung in der ein Hund gut geschützt ist und sich trotzdem ganz normal bewegen kann, alles tun was er sonst tut und nicht „doof“ aussieht 😉 .

Das Wichtigste ist immer: der Hund muss mit der Jacke/Mantel noch Hund sein können! Er muss sich ungehindert bewegen können, sich dreckig machen 🙂 , natürlich seine Geschäfte verrichten und alles tun, was Hunde eben tun. Genau das soll die Kleidung ja langfristig fördern- nicht behindern. Es muss zweckmäßig sein, wenn es zum täglichen Spaziergang benötigt wird, ist das etwas anderes als morgens um halb sieben an irgendeinem Fährtengelände noch ne halbe Stunde rumzustolpern bevor es endlich losgeht… und natürlich muss dabei auch die Fellstruktur vom Hund beachtet werden, ein Hund mit wenig eigenem Fell braucht etwas gefüttertes, ein Hund der selber schon Fell mitbringt ist oft schon mit einem wind- und wasserfesten Teil ohne größeres Futter gut bedient, wenn nur die eigene Körperwärme besser gehalten wird (quasi bei offenem Fenster heizen). Drei Dinge sollten außerdem beim Kauf beachtet werden:

  •  die Paßform, vorher den Hund genau messen, dehnbares Material oder nicht?
  •  pflegeleicht, gut zu trocknen, bei nasskaltem Matschewetter wird er nunmal nass und schmutzig
  • was für Schnallen, Reißverschlüße etc. eingebaut sind. Einerseits sind das immer „Sollbruchstellen“ hier ist Qualität gefragt, andererseits sollten sie auch nicht irgendwie störend sitzen wenn der Hund sich bewegt, arbeitet oder irgendwo liegt.

Und scheuen Sie sich auf keinen Fall für Ihrem Hund einen Mantel oder eine Jacke zu kaufen, weil andere blöd gucken könnten!

Unsere Haushunde sind keine Wölfe sondern deren völlig verweichlichte Nachfahren 🙂 . Die meisten leben das ganze Jahr mit uns in beheizten Räumen, wenn sie nicht eh in unserem Bett den Fußwärmer geben, dann schlafen sie doch wenigstens in einem hübsch gepolsterten Körbchen…draussen sind sie wenn es hoch kommt 3-4 Stunden am Tag, bei diesem Wetter eher weniger.

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Über wohlstandskoeter

Hundetrainerin, Tierarzthelferin, Hundephysiotherapeutin "Neun von zehn Stimmen in meinem Kopf sagen, ich bin nicht verrückt, die Zehnte bellt einfach nur..."
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